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Bayerns Obst- und Kleinbrenner als Landschaftsbewahrer: Pflege
von Streuobstwiesen als Basis für edle Destillate Rund
2900 Mitglieder in drei Verbänden – Jahresversammlung am Irschenberg Ohne die Obst- und Kleinbrenner wäre es womöglich um blühende Landschaften im Voralpenland schlecht bestellt. Die meisten der weitläufigen Streuobstwiesen mit ihren mächtigen Obstbäumen werden von Obstbrennern gepflegt, die im Herbst die Früchte ernten und sie zu regionaltypischen Destillaten verarbeiten. Viel Geld kann man damit nicht verdienen, weshalb fast alle Brenner im Voralpenland diese Tätigkeit im Nebenerwerb ausüben. Mit dem Auslaufen des seit fast 100 Jahren bestehenden deutschen Branntweinmonopols Ende 2017 erschweren sich die Produktionsbedingungen erheblich. Dann nämlich können Brenner überschüssigen Alkohol nicht mehr an den Staat abliefern und mit der bescheidenen Vergütung von rund 3 Euro pro Liter reinen Alkohols wenigstens die Energiekosten fürs Brennen decken. Dann müssen sie für jeden erzeugten Liter Alkohol rund 10 Euro Steuer bezahlen – wie derzeit auch schon, sofern sie nicht abliefern. Vor diesem Hintergrund trafen sich traditionell an Maria Lichtmess die im Südostbayerischen Verband der Obst- und Kleinbrenner zusammengeschlossenen Schnapsbrenner in Irschenberg. Der Vorsitzende des mehr als 700 Mitglieder zählenden Verbandes mit Sitz in Bad Feilnbach, Christian Eder, beklagte, dass Brenner im Gegensatz zu Weinbauern vom Staat nicht gefördert werden. Sie machen im Grunde genommen nichts anderes als Winzer: Früchte zu Wein vergären. Nur, dass sie sie anschließend destillieren. Auf diese Art und Weise werden vorwiegend in Süddeutschland rund 200000 Tonnen Obst pro Jahr verarbeitet, ergänzte der Vorsitzende des Bundesverbandes der Klein- und Obstbrenner, MdB Alois Gerig. Wenn das seit 1918 von Kaiser Wilhelm II. erlassene Branntweinmonopol zum Jahresbeginn 2018 ausläuft, komme es noch mehr darauf an, dass die Brenner auf regionale Spitzenqualität setzen. Damit sind sie offenbar seit Jahren in Altbayern
auf dem besten Weg. Deutlich mehr Brände als anderswo in Deutschland
werden im Voralpenland als hochwertige regionale Spezialitäten direkt
vermarktet. Obstbrände aus Altbayern landen bei Prämierungen seit
Jahren auf Spitzenrängen. Sie werden auch heuer in Weihenstephan analysiert und
verkostet. Die Siegerehrung der Bayerischen Obstbrandprämierung ist am 11. Mai
in Lindau. Der Südostbayerische Verband ist der einzige in Deutschland, der letztes Jahr einen Mitgliederzuwachs (plus 16 Prozent) verbuchen konnte, berichtete Geschäftsführer Josef Stein. Bei allen anderen Brennerverbänden in Deutschland sanken die Mitgliederzahlen teils drastisch; im Schnitt um 23 Prozent. Das liegt auch daran, dass Südostbayern neben der Prämierung auch ein hochwertiges Fortbildungsprogramm bietet. So läuft derzeit in Weihenstephan die zweite Sensorik-Intensivschulung, aus der die künftigen Edelbrand-Sommeliers hervorgehen werden. Von den Leistungen der heimischen Brenner zeigten sich bei der Versammlung im Trachtenheim Irschenberg auch die Landtagsabgeordneten Maria Noichl (Rosenheim) und Klaus Steiner (Traunstein) beeindruckt. Steiner machte einmal mehr den Unterschied zwischen hochwertigen Obstbränden und ausländischen Produkten wie zum Beispiel Grappa („destilliertes Schweinefutter“) deutlich; denn Trester, der Grundstoff für Grappa, wird bei uns in Bayern tatsächlich fast ausschließlich an Tiere verfüttert. Appelle um staatliche Unterstützung der Obst- und Kleinbrenner sind bisher ungehört verhallt. Nicht einmal die Wahrung ihrer Besitzstände ist dem Staat ein Anliegen. Dabei nimmt er von diesen Obstbranderzeugern alljährlich 20 bis 25 Millionen Euro an Branntweinsteuer ein. „Wenn die Brenner aufhören, die Streuobstwiesen veröden oder gerodet werden, dann wird sich unsere Kulturlandschaft drastisch verändern. Aber dann ist es zu spät“, warnte Vorsitzender Christian Eder. |
Stand: 17. Februar 2012 |